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BALLISTIK  



Um alle Einzelheiten zum Thema Waffen & Munitionswahl zu verstehen, ist es notwendig das Thema Ballistik näher zu beleuchten. Die Jagdballistik ist sehr umfangreich; ich möchte hier lediglich den für die Jagd notwendigen praktischen Teil der Ballistik beleuchten, der dem Jäger hilft, die Wirkung des Schusses zu verstehen und besser vorherzubestimmen. In diesem Sinne ist dies eine Zusammenfassung, die dem alltäglichen und speziellen Jagdeinsatz praxisnah gerecht wird - in dem Umfang wie ich ihn für nötig und sinnvoll erachte. Falls man darüber hinaus noch tiefer in die Theorie der Jagdballistik einsteigen möchte, verweise ich gerne auf die Website von  Lutz Moeller. Zur Jagdmunition sind bereits unter Munition einige Ausführungen gemacht worden. 

Die Ballistik kann man im jagdlichen Zusammenhang in drei Bereiche untergliedern:

Innenballistik 

Die Innenballistik beschreibt die Geschehnisse beim Schießen innerhalb der Waffe. Jagdlich wichtig ist es, die groben Zusammenhänge zu kennen, um daraus Ableitungen zur Munition und zur Waffe durchzuführen.

Durch den Schlag des Schlagbolzens auf das Zündhütchen und dessen Explosion wird das Pulver (rauchfreie Nitrocellulose-Pulver - meist in Stäbchen- oder Granulatform) in der Hülse schlagartig entzündet. Der daraus entstehende Gasdruck treibt das Geschoss durch den Übergangskegel in und durch den Lauf. Als Abstützung (Impulssatz) dient das Patronenlager bzw. der Verschluss mit den (im allgemeinen) Verriegelungswarzen. Die Felder und Züge (ggf. Vielecke bei Polygonlauf) versetzen das Geschoss in eine Rotation (Drall).
Im optimalen Zustand erreichen wir einen möglichst hohen Gasdruck (=> Geschoßenergie), bei möglichst geringer Reibung (=>Lauferwärmung und Laufverschleiß), einem vollständigen Pulverabbrand bis zum Verlassen des Geschosses aus dem Lauf (Blendung und Energieverlust) bei möglichst geringem Rückschlag / Rückstoß (=> "mucken").

Alle Zustände in ein ausgewogenes Gleichgewichtssystem zu bringen, ist die Herausforderung. Oft gelingt dies zu 100% nur durch hand- bzw. wiedergeladene / angepasste Munition. Jedoch können mit guten Kombinationen auch aus Fabrikladungen und handelsüblichen Waffen sehr gute Ergebnisse erzielt werden.
Es gilt: Je länger der Lauf, desto besser die ballistischen Eigenschaften und desto weniger Rückstoß (aber desto unhandlicher im Jagdeinsatz).

Außenballistik / Flugballistik

Bereits beim Verlassen des Laufes (mit üblichen Mündungsgeschwindigkeiten / Geschossgeschwindigkeiten) für eine .308 Ladung zwischen 750 m/s und 950 m/s) beginnt das Geschoss -physikalisch gesehen- aufgrund der Erdanziehung zu fallen,  wenn man dies nicht durch die Zielfernrohrmontage oder Haltepunkte kompensiert. Man erzielt so eine Flugparabel. Kennt man diese Flugbahnhöhenabweichung im Verhältnis zur zurückgelegten Strecke, so kann man auch auf weite Entfernungen exakt treffen. Eine zusätzliche Dimension ist die Abweichung nach links und rechts aufgrund von Winddrift (Geschossabgangswinkel und Unwuchten einmal vernachlässigt).
Beide Abweichungen sind umso geringer, je mehr Masse ein Geschoss hat, je besser der ballistische Koeffizient ist und je schneller das Geschoss fliegt.

Daher: Nutze wenn möglich zur geringsten Flugbahnkompensation durch ZF oder Haltepunkte lange und schnelle Geschosse! NUR WER RICHTIG ZIELT UND TRIFFT KANN WAIDGERECHT JAGEN !!

 

Korrektur / Kompensation des Geschossabfalls durch Haltepunkte:

Das Geschoss (Flugbahn) kreuzt 2x die (Visier)Sichtlinie (siehe Schaubild oben). Wenn man Fleck (also 0 cm  Abweichung / genau zentral) bei 150m eingeschossen hat, dann meistens zwischen ca. 30 und 40 m das erste mal und entsprechend bei 150m das zweite mal. Vor dem ersten Schnittpunkt (z.B. bei 20 m) muss man "drüber" halten, um die Höhendifferenz Lauf zu Zielfernrohr auszugleichen (der Treffersitz liegt sonst zu tief). Zwischen dem ersten Schnittpunkt und dem Zweiten (z.B. auf 100m) muss man leicht drunter halten (dies sind auf 100m ca. 2 bis 4 cm je nach Laborierung); der Treffersitz liegt sonst zu hoch. Über 150m muss man dann wieder "drüberhalten" um dort zu treffen wo das Fadenkreuz des Absehens hinzeigt (der Treffersitz liegt sonst zu tief). Bei 200 m können das dann leicht schon einige Zentimeter (ca. 5 bis 10 cm je nach Laborierung) sein. Um den Bereich, wo man zum relativ genauen Treffen (+- 4cm) nicht kompensieren braucht, groß zu halten, schießt man üblicherweise auf GEE  (Günstigste-Einschieß-Entfernung) ein. (Beispiel: Fleck = GEE bei z.B. 160m => Hochschuss auf 100m von ca. 4 cm und Tiefschuss auf 185m von ca. 4 cm).

Möchte oder muss man kompensieren, da man auf weitere Entfernungen schießt, z.B. bei der Gamsjagd im Hochgebirge, so kann man entweder die Höhenverstellung (Klick-Verstellung) an modernen Zielfernrohren benutzen, oder man nutzt die oben beschriebene Schnellkompensation "drüber- oder drunterhalten". Hierbei hilft ein Diagramm, welches kreisrund ausgeschnitten wird und an den Schaft oder in die Okularabdeckkappe des ZF geklebt werden kann. Anbei meine Schusshilfe / Haltepunkte für SAKO TRG22 mit Nightforce NXS ZF Mildotabsehen und Jaguar Laborierung in .308:

 

Zielballistik / Wundballistik

Die Wundballistik (auch als Zielballistik oder Terminalballistik bezeichnet) ist die für Jäger wichtigste Ballistik. Sie entscheidet über Art und Weise der Geschosswirkung im Wildkörper und damit über die Tötungswirkung. Die Zielwirkung ist direkt von der verwendeten Munition und dem Treffersitz abhängig und ist zugleich ein wichtiger Einflussfaktor bei der Wildbretentwertung.

Folgende Parameter entscheiden über die Zielwirkung und Pirschzeichen:

  • Treffersitz, Auftreffgeschwindigkeit und Auftreffenergie 

  • Zielwiderstand, Aufpilzeffekt und Splitterwirkung (Energieabgabe)

  • Wundkanal durch Geschossgeschwindigkeit im Wildkörper und Eindringtiefe / Penetration 

Treffersitz, Auftreffgeschwindigkeit und Auftreffenergie

Das Wichtigste ist und bleibt der Treffersitz. Auch mit einem schlechten Geschoss ist jeder Treffer ins (Zentral-)Nervensystem (Kopfschuss, Trägerschuss [Achtung Wirbelsäulenverlauf beim Wildschwein => Krellschussproblematik!!], Wirbelsäulenschuss) unmittelbar absolut tödlich (schnellst wirkender Schuss). Allerdings ist zu bedenken, dass die Zielzone sehr klein ist und diese Schüsse (mit Ausnahme beim Fangschuss) nur unter den besten Voraussetzungen anzutragen sind: vertrautes Wild, gute Wetterbedingungen hinsichtlich Sicht und Wind, stabile Auflage und nur von vorne bzw. hinten - nie bei breit stehendem Wild auf den Träger, da kleinste Bewegung direkt zum Fehlschuss führen.
Ansonsten gilt generell, der sicherste Schuss ist der Kammerschuss, denn hier ist die Zielzone um ein Vielfaches größer. Auch Kammerschüsse (Herz / Lunge) töten kurz- bis mittelfristig, verursachen aber öfter Fluchtstrecken, die einzukalkulieren sind.
Vor jedem Schuss auf Wild ist es daher angebracht, sich je nach der Stellung / Position des Wildes, dessen Körperbau und die Lage der Organe dreidimensional vorzustellen und den Verlauf des Geschosses gedanklich zu simulieren. Als Anhaltspunkte anbei drei Querschnitte von
Schwarzwild, Rotwild und Rehwild - untereinander nicht maßstabsgerecht -, welche die Lage der Organe und den Knochenbau visualisieren:
(aus und mit freundlicher Genehmigung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan / TU München / Studienfakultät Forstwissenschaft)

 

Das zweite Kriterium im Rahmen der wundballistischen Betrachtung nach dem Treffersitz, ist das Auftreffen des Geschosses auf dem Wildkörper. Hier prallt die Geschoßspitze - je nach Entfernung - mit zwischen 400 m/s bis 1000 m/s und mit einer Energie von ca. 2000 bis 4000 Joule (als Anhaltspunkt, - abhängig von der Laborierung) auf den Wildkörper auf. Je höher die Auftreffgeschwindigkeit und damit auch die Energie, desto stärker die Verformungen des Geschosses.

 

Zielwiderstand, Aufpilzeffekt und Splitterwirkung

Bei Geschwindigkeiten über 800 m/s kann es passieren, das leicht gebaute oder Teilmantelgeschosse regelrecht zerplatzen und auf den ersten Zentimetern bereits sehr viel Energie abgeben. Diese "Platzer" sind aus drei Gründen nicht erwünscht:

  • Erstens bleibt notwendige Penetration bzw. Tiefenwirkung aus, um schnell lebenswichtige Organe / Körperteile zu treffen, um somit schnell und waidgerecht zu töten.

  • Zweitens verursachen Platzer einen feinen "weichen" Splitterschauer (Bleisplitter oder Mantelsplitter), die unkontrolliert im Wildkörper weiterfliegen, unnötig Wildbret entwerten und meist oberflächennah wirken, ohne wirklich mortale Wirkung durch ausreichende Penetration zu haben:


    Röntgenaufnahme vom Brustkorb eines erlegten Weißwedelhirsches, welcher mit einem
    Standart-Teilmantelgeschoss (Kupfermantel mit Bleispitze / Softpoint) beschossen wurde.

    (aus http://www.projectgutpile.org/archives/pdf/hunt2006.pdf )

  • Drittens wird oft kein Ausschuss erzeugt, der für Nachsuchen immens wichtig ist und zudem das schnelle Ausschweißen begünstigt.

Gesucht wird nach einem optimalen Geschoss, welches

  • kontrolliert aufpilzt und über einen großen Wundkanaldurchmesser Energie abgibt

  • ohne großen Masseverlust (Energieverlust) richtungsstabil im Wildkörper weiterfliegt

  • wenige aber grobe (=> wirkungsvolle) Splitter abgibt

  • einen sicheren Ausschuss garantiert

 

Je nach Widerstand des Wildkörpers (vergleiche verwachsenes Blatt eines Keilers mit der schwachen Blattschaufel eines Schmalrehs) ist demnach theoretisch ein unterschiedliches Geschoss zu wählen: harte Geschosse für hohe Zielwiderstände, Weiche für kleine Zielwiderstände. Da das Mitführen von zwei unterschiedlichen Geschossen praktisch aber nicht oft der Fall sein wird (u. A. wegen Trefferpunktverlagerung und richtiges Geschoss zum richtigen Zeitpunkt im Patronenlager), sondern man gerne ein Geschoss für alles (von Fuchs bis Keiler) haben will, gestaltet sich die Suche schwieriger. Aufpilzeffekt, Richtungsstabilität / Schulterstabilisierung und Ausschusswahrscheinlichkeit werden durch schnell fliegende Geschosse begünstigt. Der letzte Punkt wird jedoch auch durch hohe Masse generiert, wenn diese mit einer großen Flächenlast kombiniert kommt (Masse verteilt auf eine verhältnismäßig geringe Fläche => relativ kleiner Geschossdurchmesser; also kein Flintenlaufgeschoss, wo Geschossmasse und Geschossdurchmesser in einem ungünstigen Verhältnis stehen).
Es wird also ein Kompromiss gesucht, bei dem der Wildkörper mit relativ hoher (Rest-)Masse schnell penetriert wird. Masse auf Kosten der Geschwindigkeit zu erhöhen, widerspricht jedoch den gewünschten flugballistischen Anforderungen (s.o.). Weder herkömmliche Teilmantelgeschosse, auf gar keinen Fall Vollmantelgeschosse (nur auf Big Five Kopfschuss), noch die Mehrzahl von stark beworbenen Sonderkonstruktionen decken das breite Spektrum auf größere Entfernungen ab. Entweder sie wirken nicht, oder sie wirken zu stark bei relativ schlechten flugballistischen Eigenschaften.
Gut geeignet sind jedoch Verbundkerngeschosse oder Spezial-Geschosse wie z.B. das CDP, die schnell und leicht (optimal durch Hohlspitze) öffnen, aber trotzdem eine große Restmasse beibehalten. Meiner (+ Anderer) Meinung und Erfahrung nach, ist die derzeit optimale Wahl auf dem Munitionsmarkt das
reibungsarme
und damit schnell fliegende Kupferjagdgeschoss mit Hohlspitze oder das
Jaguar Geschoss (Kupfer massiv oder "solid" Geschoss) mit Hohlspitze, welches als fertige Munition vom Labor für Ballistik (LFB) als German-Precision-Ammunition gefertigt wird. Weitere Ausführungen dazu findet man unter Jagdmunition.

 

Wundkanal und Eindringtiefe / Penetration

Die Wirkung eines Geschosses im Wildkörper geht aber über den reinen Wundkanal mit der direkten Zerstörung (durch das Geschoss und wirkungsvolle + richtungsstabile Splitter) hinaus. Aufgrund der hohen Geschossgeschwindigkeit im Wildkörper entsteht um das Geschoss eine Druckwelle (beim Durchfliegen des Körpers hat nur die Geschoßspitze direkten Kontakt mit Fleisch / Wasser / Blut, der Geschossmantel fliegt frei nur von Wasserdampf umgeben), die alles Dehnbare beiseite drückt. Diese Dehnung bzw. Überdehnung führt dazu, dass in diesem Bereich Muskelfasern reißen und anliegende Knochen / Rippen brechen, ohne direkten Kontakt mit dem Geschoss zu haben. Deshalb tritt auch bei Treffern nahe der Wirbelsäule durch die enorme Erschütterung der Nerven eine unmittelbare Lähmung bzw. der sofortige Tot ein. Dies ist jedoch nicht mit dem Schocktod zu verwechseln, wie er bei Schrotgaben auftritt.
Die Tiefenwirkung bzw. Penetration ist besonders wichtig, um gerade bei stärkerem Wild (z.B. Schwarzwild) in die lebenswichtigen Bereiche / Organe vorzudringen und um den für die Nachsuche gewünschten Ausschuss zu erhalten. Die oben beschriebene Richtungsstabilität begünstigt diese Eigenschaft. Man erhält sie durch eine möglichst auf kleine Fläche gebündelte Restmasse (Überbleibsel nach der Absplitterung / Zerlegung). Der optimalen Form in diesem Sinne
kommt ein Zylinderstumpf sehr nahe, der zudem auch größere Knochenstärken "durchstanzen" kann.

Wundwirkung und Fluchtstrecke

Will man also kurze Fluchstrecken (wegen Dunkelheit oder weil gerade kein Hund zur Nachsuche vorhanden ist) erreichen, so ist es (neben dem nur im Einzelfall unter günstigsten Bedingungen anzusetzenden Kopf- oder Trägerschuss) der sicherste Weg, gerade beim Schwarzwild einen Schuss hochblatt (Zerstörung des Bewegungsapparates, Sekundärzerstörung durch umher fliegende Knochensplitter bei gleichzeitiger Erschütterung / Zerstörung des Rückenmarks mit verbundener Lähmung) anzutragen:


Der Wildbretverlust eines Blattes (ggf. nur Teile davon oder im ungünstigsten Fall auch beider Blätter) ist dabei allerdings mit einzukalkulieren.
Fluchten sind bei allen anderen Treffern eine "natürliche" Sache und quasi unvermeidbar. Die Länge der Fluchtstrecke ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • Treffersitz...
    - und Zerstörung von Knochen im Bewegungsapparat (Blatt, Gelenke) oder gar Treffer im zentralen Nervensystem (Wirbelsäule => Lähmung / Tot bzw. [Stamm-]Hirn => sofortiger Tot) durch Träger oder Kopfschuss.
     
    - und damit verbundene Nervenreizung => längere Fluchten bei unterschiedlichem Kammerschuss: z.B. bei Herztreffer gegenüber einem reinem Lungentreffer (mit starker Beschädigung und damit verbundenem inneren Blutverlust) durchaus möglich.

  • Situtation des Wildtieres: Streßsituation (z.B. hoher Adrenalinspiegel bei Drückjagd) oder in Ruhesituation (beim Äsen bei ggf. noch weiter Entfernung zum Schützen); Wild ist viel zäher als der Mensch

  • Möglichkeit des schnellen und starken Ausschweißens => Blutdruckabfall (auch starker Blutverlust im Körperinneren - z.B. größräumiger Zerstörung stark durchbluteter Organe / Gefäße wie z.B. Lunge, Schlagadern, Leber etc. durch wirkungsvolle Splitterwirkung) begünstigt den zügigen Ausfall der lebenswichtigen Funktionen => kurze Flucht.
    Nicht optimal (wenngleich wildbretschonender) ist im Gegensatz dazu der kalibergroße, reine Lungendurchschuss mit dem Zusammenfall der Lungen => Tot durch Sauerstoffmangel (Schwarzwild kann Ein- und Ausschuss mit der eigenen Schwarte ggf. "zuschieben" => längere Fluchten)

  • Atmung / Sauerstoffversorgung: hat das Stück Wild gerade ausgeatmet (=> kürzere Fluchtstrecke) oder gerade eingeatmet, wenn zugleich nur geringer Blutverlust vorhanden ist (z.B. reiner Lungendurchschuss):
    Beispiel: der Mensch kann ohne weiteres 60 Sekunden die Luft anhalten, ohne dass es Probleme mit der Sauerstoffversorgung gibt => Annahme: Tier hat für 15 Sekunden Luft / ausreichende Sauerstoffversorgung, flüchtet mit 25 km/h => ca. 7 m/s   =>  15x7 = 105m Fluchtstrecke !!

  • Abschließende Anmerkung zur Fluchtstrecke / Stoppwirkung: oft wird eine sofortige Stoppwirkung gefordert. Lässt man mal eine theoretische / unverhältnismäßige Kaliber- vs. Zielgröße (z.B. .50 BMG auf Kanin oder Panzerhaubitze auf Elch) außer Betracht, kann man mit keiner legalen (Verbot von Explosivmunition) Waffen- und Munitionskombination eine sofortige Stoppwirkung erreichen. Fluchtstrecken sind immer einzukalkulieren, es sei denn, man optimiert die Zielwahl und landet direkte Treffer im Zentralnervensystem (Kopf- oder Trägerschuss, - mit bekannten und oben ausgeführten Risiken).

Wildbretentwertung vs. Wundballistik

Die Wildbretentwertung ist sowohl vom verwendeten Geschoss (Aufpilzeffekt, Splitter oder Platzer etc.) als auch von der Laborierung (Stärke der Ladung / Patrone) abhängig. Pauschal kann man sagen, je stärker die Patrone und je weicher bzw. zerlegungsfreudiger das Geschoss, desto größer ist die Wildbretzerstörung. Diese alleinige Aussage greift aber, wie man den oben und unten gemachten Aussagen entnehmen kann, etwas zu kurz.

Mit am Wichtigsten ist bei der Entwertung auch hier der Treffersitz (und der damit verbundene Zielwiderstand). Auch Wildbret schonende Geschosse (wie z.B. das Jaguar-Geschoss oder das KJG), werden bei hohen Zielwiderständen und einer Magnum-Laborierung auf kurze Distanz (z.B. 300 Win Mag auf ein 20 Meter entferntes Rehwild - Blattschaufel angehalten)  verhältnismäßig recht viel Wildbret entwerten, - dies ist aus ballistischen und biologischen Gründen nicht zu vermeiden. Dem Jäger sollte das immer im Hinterkopf bleiben, wenn er auf das Stück anhält und dieses später bestmöglich verwerten möchte.
Zudem ist die Wildbretentwertung, im Speziellen die "Versulzung" durch Hämatome auch davon abhängig, ob das Herz noch (z.B. bei längeren Fluchten mit Lungenschuss aber intaktem Herzen) Blut in die zerstörten Gefäße und ihre Umgebung pumpen kann. Dünne Bindehautschichten zwischen einzelnen Sektionen (z.B. Blatt -Brustkorb) begünstigen den Austritt von Schweiß in die Umgebung der Verletzung. Oft kann dieses blutblasige Gewebe aber leicht abgeschärft werden, da es meist nur oberflächig vorzufinden ist und nicht in einzelne Muskelpartien / Wildbret eindringt. Gemäß den Hygieneverordnungen zur Wildbrethygiene ist verunreinigtes Wildbret gründlich zu reinigen bzw. durch großzügiges Herausschärfen zu entsorgen.